Titelbild zum Artikel Bildungspolitische Kurznachrichten – Dezember 2025 / Januar 2026

Symbolbild. (© Unsplash+ | Pew Nguyen)

27.01.2026

Bildungspolitische Kurznachrichten – Dezember 2025 / Januar 2026

Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektorinnen und -direktoren (EDK) 

Per 1. Januar 2026 setzt die EDK die Interkantonale Spitalschulvereinbarung (ISV) in Kraft. Sie stellt den Kantonen ein Instrument zur Verfügung, das den interkantonalen Lastenausgleich im Bereich Spitalschulen regelt und eine koordinierte Abwicklung von Zahlungen für ausserkantonale Spitalschulangebote ermöglicht. Die EDK schafft damit eine solide Grundlage, damit die Kantone auch eine gute Betreuung und schulische Unterstützung für schwerkranke Kinder und Jugendliche zielgerichtet umsetzen können. (EDK-News, 15.1.2026)

 

Eidgenössische Technische Hochschulen

2025 machten Forschende der ETH Zürich Fortschritte bei zentralen Themen: Sie erforschten die Ursprünge des Lebens, entwickelten neue nachhaltige Baumaterialien und 3D-Druckverfahren für Metall und sogar ganze Türme. Zudem entstanden Komponenten für die nächste Generation der Datenübertragung und Therapien gegen gefährliche Erreger. ETH-Teams verbesserten Simulationen zur Vorhersage von Murgängen und entwickelten eine neue Methode zur Sanierung von Chemie-Altlasten. Ein transparentes, mehrsprachiges KI-Sprachmodell wurde geschaffen. Institutionell gründete die ETH Zürich ein neues Zentrum zur Vernetzung von Wissenschaft, Technologie und Politik und plant ein Kompetenzzentrum für Erdbeobachtung, um Forschung noch stärker mit gesellschaftlichen Herausforderungen zu verknüpfen. (Website ETH, Jahresbericht).

 

Universitäten und (Fach-)Hochschulen 

Ende 2022 löst der Plagiatsvorwurf gegen eine Titularprofessorin der Universität Zürich internationales Aufsehen aus. Ein britischer Forscher deckte massive Ungereimtheiten in ihren Publikationen und Institutionen auf, worauf eine intensive öffentliche und mediale Debatte folgte. Der Schweizerische Nationalfonds untersuchte mehrere von ihm finanzierte Bücher und stellte fest, dass bis zu 30 Prozent der Inhalte plagiiert sind. Er forderte Forschungsgelder zurück. Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte nun «massives wissenschaftliches Fehlverhalten» und ordnete teilweise Rückzahlungen an. Der Entscheid ist noch nicht rechtskräftig. Der Nationalfonds betrachtet den Fall als abgeschlossen, während die Universität Zürich ihre Untersuchung fortsetzt. (NZZ, 27.12.2025)

Die Pädagogische Hochschule der FHNW setzt mit dem Projekt «Perspektive:PH» ein umfassendes Spar- und Reorganisationspaket um. Ziel sind finanzierbare Strukturen, stärkere Praxisorientierung in der Lehre und gebündelte Forschung. Hintergrund ist ein strukturelles Defizit von vier Millionen Franken. Studiengänge erhalten mehr Gewicht, Professuren werden neu organisiert, Forschung im Institut Forschung & Entwicklung konzentriert. Betroffen sind 30 bis 40 Stellen, Kündigungen sollen vermieden werden. Insgesamt sollen jährlich fünf Millionen Franken eingespart werden, die neue Struktur startet 2026. (Zeitung für Region Basel, 20.1.2026)

 

Mittelschulen, Volksschulen 

In der Schweiz nehmen sogenannte Nachteilsausgleiche für Lernende und Studierende deutlich zu. Sie sollen behinderungsbedingte Nachteile bei Prüfungen ausgleichen, etwa durch Zeitzuschläge, separate Prüfungsräume oder Assistenz. Obwohl es keine schweizweiten Zahlen gibt, zeigt eine grosse Umfrage eine breite Anwendung: Bei der eidgenössischen Maturaprüfung erhalten rund 16 Prozent der Kandidierenden einen Nachteilsausgleich, bei Zürcher Gymnasialaufnahmeprüfungen sind es zwischen 5 und 10 Prozent. Eine Primarlehrerin berichtet sogar von einem Anteil von 30 Prozent betroffener Kinder. Diese Entwicklung sorgt für Kritik. Eltern versuchen vermehrt, mit Nachteilsausgleichen den Übertritt ins Gymnasium oder in die Sekundarstufe A zu sichern. Dadurch würden diese Massnahmen zu einer verdeckten Förderinstrumentierung und das System verliere an Glaubwürdigkeit. Zunehmend werden Nachteilsausgleiche auch juristisch erstritten. Ein Entscheid im Kanton Basel-Landschaft führt dazu, dass künftig bei standardisierten Check-Tests in der gesamten Nordwestschweiz Zeitzuschläge gewährt werden müssen. (NZZ am Sonntag, 25. 1.2026)

Im Schuljahr 2024/25 wurden im Baselbiet 230 Kinder verspätet eingeschult, was 8,7 Prozent der eingeschulten Kinder entspricht. Der Stichtag 31. Juli gemäss Harmos-Konkordat ist umstritten, da im Juli geborene Kinder beim Schulstart erst vier Jahre alt sind. Die Rückstellungsquote ist seit 2012 stark gestiegen: von 1,3 Prozent auf heute deutlich höhere Werte. Seit 2021/22 können Eltern die Rückstellung selbst entscheiden. Diese Möglichkeit nutzen vor allem sozioökonomisch privilegierte Familien. Kinder mit Förderbedarf oder fremdsprachigem Hintergrund werden hingegen häufiger regulär eingeschult. Zudem sind zwischen Mai und Juli geborene Kinder in Einführungsklassen übervertreten, was ihre Schullaufbahn um ein Jahr verzögert. (bz-Zeitung, Region Basel, 20.1.2026)

Im Kanton Luzern dauern an einigen Schulen, etwa in Ruswil und Kriens, Unterrichtslektionen neu bis zu 75 statt 45 Minuten. Grundlage ist der gesetzliche Spielraum, der nicht die Einzellektion, sondern die Jahresunterrichtszeit regelt. Die Dienststelle Volksschulbildung hat entsprechende Gesuche bewilligt und begleitet die Umsetzung eng. Solche Modelle gelten als Rand des zulässigen Gestaltungsspielraums und müssen laufend dokumentiert und evaluiert werden, um den Lernerfolg sicherzustellen. (Luzerner Zeitung, 15.1.2026)

 

Arbeitsmarkt, Lehrbetriebe 

In der Schweiz werden über die gesamte Lehrzeit knapp 25 Prozent der Lehrverträge aufgelöst, doch nur rund 5 Prozent der Lernenden steigen endgültig aus der beruflichen Grundbildung aus. Eine Lehrvertragsauflösung ist daher nicht gleichzusetzen mit einem Lehrabbruch, da viele eine Anschlusslösung finden. In Liechtenstein wurden 2024 jährlich 7,1 Prozent der Lehrverhältnisse aufgelöst, ein seit Jahren stabiler Wert und hochgerechnet leicht tiefer als in der Schweiz. Bildungsverläufe werden dort jedoch nicht systematisch erfasst. Lehrvertragsauflösungen sind für Jugendliche und Betriebe belastend und ökonomisch ineffizient, können aber auch positive Effekte haben, wenn sie einen passenden Wechsel und bessere Entwicklungschancen ermöglichen. (Vaterland, 23.1.2026)

Im Kanton Zürich erhielten 2024 rund 7076 Personen Stipendien, die meisten davon unter 28 Jahre alt und überwiegend in der Berufslehre. Seit der Stipendienreform von 2021 ist der administrative Aufwand jedoch stark gestiegen: Gesuchstellende müssen ihren gesamten Lebensverlauf seit Ende der Schulzeit detailliert belegen, was zu extrem langen Bearbeitungszeiten von teils über einem Jahr führte. Das Kantonsparlament hat nun eine Vereinfachung beschlossen. Neu können Gesuche gestaffelt eingereicht werden, fehlende Unterlagen stoppen das Verfahren nicht mehr. Stipendien und Darlehen werden klar getrennt; Darlehen gibt es nur noch für über 35-Jährige und neu unverzinst. Zudem wurden Vergabekriterien vereinfacht, um den Verwaltungsaufwand zu senken. Forderungen nach einem Ausbau oder Abbau der Leistungen scheiterten. Ziel ist ein schlankeres, effizienteres Stipendienwesen, bei dem mehr Mittel direkt den Betroffenen zugutekommen. (NZZ, 10.1.2026)

 

Verschiedenes 

Auch im Jahr 2026 bildet die verantwortungsvolle, sichere und effiziente Nutzung von Daten eine der Herausforderungen im Bildungsraum Schweiz. Der Bericht zur Datennutzungspolitik zeigt, dass es nicht nur um Datenmengen geht, sondern darum, digitale Identitäten, Datenschutz, Datenkompetenz und eine verantwortliche Datenkultur systematisch zu stärken. Dabei sollen digitale Werkzeuge und Anwendungen schon bei der Beschaffung datenschutzkonform geprüft werden, und die Nutzung von Daten – etwa für Forschung oder Qualitätssicherung – muss transparent und kontrolliert erfolgen. Besonders im Blick stehen künstliche Intelligenz, algorithmische Systeme und rechtliche Rahmenbedingungen, um Innovationen zu ermöglichen, ohne Vertrauen zu gefährden. Zudem gilt es, in die digitale Bildung zu investieren. Junge Menschen müssen im kritischen Umgang befähigt werden. (Vgl. EDUCANET, 2026 Jahresausblick)

 

Lancierte bildungspolitische Debatten, Entscheide 

Im Kanton Zürich wird der Berufsauftrag der Lehrpersonen revidiert, da das seit 2017 geltende Modell als realitätsfremd gilt. Der Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverband kritisiert, dass die aktuelle Regelung systematisch zu unbezahlter Überzeit führt – im Schnitt bis zu acht Wochen pro Jahr. Hauptprobleme sind die zu tief angesetzte Klassenlehrpersonenpauschale von 100 Stunden sowie der Lektionenfaktor, der pro Unterrichtslektion zu wenig Zeit für Vor- und Nachbereitung vorsieht. Der Regierungsvorschlag, die Pauschale auf 120 Stunden zu erhöhen, wird als ungenügend beurteilt; 160 Stunden wären ein Schritt in die richtige Richtung. Es gehe nicht um höhere Löhne, sondern darum, bereits geleistete Arbeit als Arbeitszeit anzuerkennen. Auf dem Spiel steht aus Sicht des Verbands die Qualität und Zukunft der Volksschule. (Tages-Anzeiger, 17.1.2026)

Die SVP diagnostiziert eine Schulkrise und fordert eine Rückkehr zu «bewährtem» Unterricht: weniger Integration, weniger Fremdsprachen, mehr Disziplin, Noten und Leistungstraining. Migration wird als Belastung dargestellt, mit Quoten und separaten Sprachschulen. Mit kantonalen Vorstössen will die SVP Mehrheiten gewinnen, teils mit Unterstützung aus bürgerlichen Parteien. Ob das der richtige Weg ist, wird allerdings offen sein. Es gibt Schulen, die mit den integrativen Modellen und einer guten Unterstützung durch verschieden Fachpersonen tagtäglich viel leisten. Die Pauschalkritik kommt nicht überall gut an. (Tages-Anzeiger, 13. 1.2026) 

 

International 

Am Internationalen Tag der Bildung vom 24. Januar rückte das Motto «KI und Bildung» die Bedeutung ebendieser in einer automatisierten Welt ins Zentrum. Bildung stärkt Entscheidungsfähigkeit, Verständnis und Mitgestaltung technologischer Entwicklungen. Lehrpersonen tragen entscheidend dazu bei, junge Menschen auf den raschen Wandel vorzubereiten. In vielen Ländern gab es zahlreiche Aktivitäten zu dieser Thematik. An Schweizer Schulen wurden Aktionen und Anlässe durchgeführt. (vgl. learning.europa.eu)

Karin Andrea Stadelmann ist eine Schweizer Politikerin (Die Mitte), Luzerner Kantonsrätin und Erziehungswissenschaftlerin. Sie ist zudem seit 2024 Präsidentin der Mitte Kanton Luzern.

Diese Kurznachrichtenübersicht wurde am 27. Januar 2026 abgeschlossen. Auszüge der deutschsprachigen Version veröffentlicht in der CIVITAS 2/2025–2026.

Die Helvetia, blumenbekränzt und mit Lanze und Schweizer Wappenschild, auf einer Fotografie 1896. (Schweizerisches Nationalmuseum, LM-101066, koloriert und an den Rändern erweitert durch KI)

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