Titelbild zum Artikel Bildungspolitische Kurznachrichten – August / September 2026

Die Schreibkompetenzen nehmen ab. (© Unsplash+)

09.09.2026

Bildungspolitische Kurznachrichten – August / September 2026

Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektorinnen und -direktoren (EDK) 

Die Schweiz verfügt weiterhin über ein leistungsfähiges Bildungssystem und schneidet bei PISA 2025 im internationalen Vergleich insgesamt gut ab, das schreibt die EDK. Besonders in Mathematik erzielen die 15-jährigen Jugendlichen gute Ergebnisse. Auch in den Naturwissenschaften bewegt sich die Schweiz auf vergleichsweise hohem Niveau. Kritischer bleibt der Bereich Lesen. Für die EDK ist dabei nicht nur der Durchschnitt entscheidend. Ein besonderes Augenmerk gilt den Jugendlichen, welche die notwendigen Grundkompetenzen nicht oder nur ungenügend erreichen. Gerade beim Lesen besteht weiterhin Handlungsbedarf. Lesekompetenz ist eine zentrale Voraussetzung für den weiteren Bildungsweg, den Einstieg ins Berufsleben und die gesellschaftliche Teilhabe.
Neben den fachlichen Leistungen untersucht PISA auch Faktoren wie Motivation, Wohlbefinden und Einstellungen der Jugendlichen. Damit liefert die Erhebung Hinweise darauf, unter welchen Bedingungen Lernen gelingt und wo Herausforderungen bestehen. PISA ist ein wichtiges Instrument des Bildungsmonitorings. Die Ergebnisse ermöglichen internationale Vergleiche, zeigen Entwicklungen über längere Zeit auf und liefern Bund und Kantonen Grundlagen für die Weiterentwicklung des Bildungssystems. Wichtig: PISA ist dabei kein Ranking einzelner Schulen oder Kantone. Insgesamt sieht die EDK die Ergebnisse als Bestätigung für die Qualität des Schweizer Bildungssystems, gleichzeitig aber auch als Auftrag: Die guten Leistungen gilt es zu sichern und insbesondere bei den Grundkompetenzen und beim Lesen genau hinzuschauen. Ziel bleibt, möglichst allen Jugendlichen gute Voraussetzungen für Ausbildung, Beruf und Alltag mitzugeben. Weitere Informationen.

 

Eidgenössische Technische Hochschulen

Der Bundesrat hat Günther Dissertori für vier Jahre zum neuen Präsidenten der ETH Zürich gewählt. Der Teilchenphysiker ist seit 2001 Professor an der ETH und seit 2022 Rektor. Er war am CERN am CMS-Experiment beteiligt, das zum Nachweis des Higgs-Bosons beitrug. Als Rektor prägte er insbesondere die Weiterentwicklung der Lehre, initiierte die grösste Studienreform seit Bologna und stärkte projektbasiertes Lernen sowie den Einsatz von KI. Dissertori folgt auf Joël Mesot, welcher die ETH in den letzten Jahren auf Erfolgskurs hielt. Dissertori übernimmt damit eine der weltweit führenden Hochschulen: Die ETH belegt aktuell Rang 8 im QS World University Ranking 2027 und Rang 11 im THE-Ranking 2026. (NZZ, 24.8.2026)

 

Universitäten und (Fach-)Hochschulen

Die Universität Basel schliesst das Jahr 2025 mit einem Defizit von rund 11 Mio. Franken ab. Dieses wird aus dem Eigenkapital gedeckt, das auf 54 Millionen Franken sinkt. Ursache ist eine Differenz zwischen Ausgaben (815 Mio. Franken) und Einnahmen (771 Mio. Franken). Ein grosser Teil des operativen Verlusts konnte jedoch durch zweckgebundene Mittel und ein positives Finanzergebnis ausgeglichen werden. Insgesamt bezeichnet die Universität ihre finanzielle Lage trotz des Defizits als «solide». Gleichzeitig sieht sie sich mit steigenden Anforderungen bei Cybersicherheit, unsicherer Bundesfinanzierung sowie wirtschaftlichen Faktoren wie Teuerung konfrontiert. Die Leitung setzt künftig verstärkt auf Budgetdisziplin. (Basler Zeitung, 27.4.2026)

 

Mittelschulen, Volksschulen  

Künstliche Intelligenz ist im Schulalltag längst angekommen. Jugendliche nutzen KI fast täglich: für Mathematik, Sprachen, Zusammenfassungen, Lernzettel oder Prüfungsvorbereitungen. Gleichzeitig sehen sie Risiken. Wer Aufgaben einfach von KI lösen lässt, lernt Grundlagen weniger gut und kann zunehmend Mühe haben, Ergebnisse selbst zu beurteilen. Auch die Chancengleichheit wird thematisiert: Kostenpflichtige KI-Angebote können Vorteile schaffen. Die Jugendlichen wünschen sich deshalb klarere und möglichst einheitliche Regeln an den Schulen. Verbote allein seien wenig wirksam. Stattdessen müssten Aufgaben und Prüfungen stärker darauf ausgerichtet werden, eigenes Verständnis, Argumentation und Reflexion zu überprüfen. Entscheidend sei letztlich nicht, ob KI genutzt wird, sondern wie kompetent und verantwortungsvoll damit umgegangen wird. (Basler Zeitung, 29.8.2026) 
Universitäten und (Fach-)Hochschulen  

Die Finanzierung der kantonalen Universitäten sorgt für Streit: Nicht-Universitätskantone bezahlen für ihre Studierenden heute nur rund 43 bis 49 Prozent der tatsächlichen Ausbildungskosten. Infrastruktur- und Teile der Forschungskosten bleiben bei den Trägerkantonen. Der Bundesrat lehnt eine stärkere Verpflichtung der Nicht-Universitätskantone ab und verweist auf die kantonale Zuständigkeit. Besonders betroffen ist die Universität Basel: Baselland ist als zweiter Trägerkanton 2025 mit 166 Mio. Franken beteiligt, während die übrigen Kantone zusammen 71 Mio. bezahlen – obwohl fast 4900 Studierende aus der übrigen Schweiz kommen. Im Baselbiet wächst deshalb der politische Druck. Gemeindeinitiativen verlangen eine Reduktion der Beiträge beziehungsweise eine breitere Finanzierung durch alle Herkunftskantone. Würde Baselland nur noch wie andere Nichtuniversitätskantone zahlen, fehlten der Universität jährlich rund 125 Mio. Franken. (Basler Zeitung, 10.8.2026) 

 

Arbeitsmarkt, Lehrbetriebe

Eine Befragung von knapp 3000 Ausbildungsbetrieben zeigt wachsende Defizite bei den Grundkompetenzen von Lernenden. 59 Prozent beurteilen die Schreibkompetenzen als ungenügend, mehr als zwei Drittel sehen Probleme bei Rechtschreibung und Grammatik. Auch mathematische Grundlagen bereiten Schwierigkeiten. PISA bestätigt den längerfristigen Rückgang: Rund jeder fünfte Jugendliche erreicht die Mindestanforderungen in Mathematik nicht, beim Lesen ist es etwa jeder vierte. Drei Viertel der Betriebe unterstützen Lernende deshalb zusätzlich, meist bis zu drei Stunden pro Woche. Jeder fünfte Betrieb bildet bereits weniger Lernende aus oder erwägt dies. Wirtschaft und Lehrpersonen fordern eine bessere Ursachenanalyse. Als Herausforderungen gelten unter anderem soziale Herkunft, Heterogenität, Medienverhalten und fehlende Ressourcen. Lesen, Schreiben und Rechnen sollen wieder stärker im Zentrum stehen. (Tages-Anzeiger, 2.9.2026)

Der Berufseinstieg für Hochschulabsolvent:innen wird schwieriger. Zwischen 2023 und 2025 stieg die Erwerbslosenquote ein Jahr nach einem universitären Masterabschluss von 3,9 auf 6,4 Prozent. Bei Fachhochschulabsolventen mit Bachelor erhöhte sie sich auf 4,9 Prozent. Betroffen sind nicht nur Geisteswissenschaften: Auch in technischen Studiengängen, Wirtschaftswissenschaften und im IT-Bereich hat die Erwerbslosigkeit deutlich zugenommen. Als Gründe gelten die schwache Konjunktur, geopolitische Unsicherheiten und der Einfluss künstlicher Intelligenz. Unternehmen sind zurückhaltender bei Neueinstellungen, weil unklar ist, welche Tätigkeiten künftig durch KI übernommen werden. Entsprechend wurden auf den Stellenportalen von 17 Schweizer Hochschulen zuletzt rund 30 Prozent weniger Einstiegsstellen ausgeschrieben als vor drei Jahren. (Aargauer Zeitung, 28.8.2026) 

 

Verschiedenes

Gemäss einem Interview in der «NZZ am Sonntag» mit Andrea Lanfranchi ist die Wirksamkeit frühkindlicher Förderung für sozial belastete Familien wissenschaftlich ausreichend belegt – das Problem liege heute vor allem in der Umsetzung. Rund zwei Drittel der späteren Leistungsunterschiede entstünden bereits vor dem Schuleintritt. Besonders wirksam seien deshalb Angebote, die Familien früh erreichen, etwa aufsuchende Hausbesuchsprogramme in den ersten Lebensjahren. Programme wie «PAT – Mit Eltern lernen» zeigten positive und teilweise langfristige Effekte auf Sprache, Mathematikverständnis und Verhalten. Lanfranchi fordert deshalb, bewährte Programme nicht länger einzelnen Stiftungen oder privaten Trägerschaften zu überlassen, sondern in die regulären Strukturen zu überführen und nachhaltig öffentlich zu finanzieren. Chancengerechtigkeit müsse vor dem Schuleintritt beginnen. (NZZ am Sonntag, 30.8.2026)

 

Debatten und Entscheide

Der Zürcher Kantonsrat hat eine Motion der SVP für ein Kopftuchverbot an öffentlichen Schulen und Kindergärten mit 87 zu 82 Stimmen angenommen. Das Verbot soll Schülerinnen und Lehrerinnen betreffen. SVP und FDP argumentieren mit Gleichstellung, staatlicher Neutralität und der freien Entfaltung von Mädchen. SP, Grüne, Mitte und AL betonen dagegen Religionsfreiheit und Selbstbestimmung und warnen vor Ausgrenzung.
Eine ähnliche Debatte läuft im Kanton Aargau: Dort überwies der Grosse Rat mit 78 zu 54 Stimmen eine Motion für ein Kopftuchverbot für Schülerinnen bis 16 Jahre. Anders als in Zürich lehnte die Aargauer Regierung das Anliegen wegen verfassungsrechtlicher Bedenken ab. Rechtlich bleibt die Frage umstritten: Das Bundesgericht entschied 2015, dass staatliche Neutralität, Integration und Gleichstellung ein generelles Kopftuchverbot für Schülerinnen nicht ausreichend rechtfertigen. Beide Kantone müssen nun konkrete Gesetzesvorlagen ausarbeiten. (Tages-Anzeiger, 1.9.2026) 

 

Internationales

Die UNESCO stellt den Umgang mit künstlicher Intelligenz ins Zentrum der internationalen Bildungspolitik. An der Digital Learning Week vom 8.–11. September 2026 beraten über 25 Bildungsminister sowie Fachleute über Chancen und Risiken von KI und verabschieden eine gemeinsame Erklärung. Im Fokus stehen KI-Sicherheit, Datenschutz, Chancengerechtigkeit, digitale Souveränität, altersgerechte Nutzung und die Nachvollziehbarkeit von KI-Systemen. Gleichzeitig soll geklärt werden, welche Rolle Lehrpersonen in einer zunehmend KI-geprägten Schule übernehmen. Für die UNESCO ist entscheidend: KI soll Lehrpersonen unterstützen, aber deren professionelles Urteil nicht ersetzen. Bildung müsse auch im KI-Zeitalter ein öffentliches Gut bleiben und menschliche Autonomie, kritisches Denken und faire Bildungschancen gewährleisten. 
Weitere Informationen.

Karin Andrea Stadelmann ist eine Schweizer Politikerin (Die Mitte), Luzerner Kantonsrätin und Erziehungswissenschaftlerin. Sie ist zudem seit 2024 Präsidentin der Mitte Kanton Luzern.

Diese Kurznachrichtenübersicht wurde am 9. September 2026 abgeschlossen. Sie wurde veröffentlicht in der CIVITAS 5/2025–2026.

Staatsrätin Franziska Biner hielt am Zentralfest-Sonntag, 30. August 2026, die Festrede. (Foto: Ingemar Imboden)

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