Titelbild zum Artikel Bildungspolitische Kurznachrichten – März/April 2026

Symbolbild. (© Unsplash+ | Kateryna Hliznitsova)

03.05.2026

Bildungspolitische Kurznachrichten – März/April 2026

Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektorinnen und -direktoren (EDK) 

Der Bildungsbericht Schweiz 2026 ist seit März vorhanden und liefert eine kompakte, wissenschaftlich fundierte Gesamtschau des Schweizer Bildungssystems – von der obligatorischen Schule bis zur Weiterbildung. Er dient als zentrales Instrument des Bildungsmonitorings. Der Bericht analysiert alle Bildungsstufen anhand der Kriterien Effizienz, Effektivität und Chancengerechtigkeit. Insgesamt zeigt sich: Das Schweizer Bildungssystem funktioniert auf hohem Niveau stabil, steht jedoch vor strukturellen Herausforderungen. Ein zentrales bildungspolitisches Ziel, nämlich dass 95 % der 25-Jährigen einen Abschluss auf Sekundarstufe II erreichen, wird aktuell nicht erfüllt. Die Quote liegt bei rund 91,7 %. 
Entscheidend für Fortschritte sind eine starke Berufsbildung und solide Grundkompetenzen. Ein weiterer Fokus liegt auf dem prüfungsfreien Hochschulzugang mit gymnasialer Maturität, der durch Reformen (2023/24) langfristig gesichert werden soll. Gleichzeitig bleibt die Studienabbruchquote eine Herausforderung: Rund 24 % erreichen keinen universitären Bachelorabschluss, wobei ein Teil in andere Hochschultypen wechselt. Insgesamt bleiben etwa 15 % ohne Abschluss im gesamten Hochschulsystem. Der Bericht betont die langfristige Natur bildungspolitischer Ziele. Guy Parmelin und Christophe Darbellay unterstreichen, dass Reformen Zeit brauchen und nun geprüft wird, ob zusätzliche Massnahmen nötig sind.
Insgesamt bestätigt der Bericht die hohe Leistungsfähigkeit des Systems, zeigt aber klaren Handlungsbedarf bei Chancengerechtigkeit, Abschlussquoten und Studienerfolg. Er bildet damit eine zentrale Grundlage für eine faktenbasierte Weiterentwicklung des Bildungsstandorts Schweiz. Hier geht es zum Bildungsbericht Schweiz 2026.

   

Statistiken  

Die aktuellen Ergebnisse der PISA-Studie zeigen eine besorgniserregende Entwicklung: Jeder vierte Schulabgänger in der Schweiz kann nicht ausreichend lesen, jeder fünfte kaum rechnen – trotz eines der teuersten Bildungssysteme weltweit. Entsprechend ist vermehrt von einer «Krise der Volksschule» die Rede. Vertreter aus Politik und Bildung – darunter auch der Psychologe Allan Guggenbühl – fordern nun eine Kurskorrektur. In einem Manifest plädieren sie für eine Rückbesinnung auf grundlegende Kompetenzen wie Lesen, Schreiben und Rechnen. Der Lehrplan solle entschlackt und weniger überladen werden. Kritik gibt es auch an den Pädagogischen Hochschulen: Die Ausbildung sei zu wenig praxisnah. Gefordert wird, dass Dozierende über mehr Unterrichtserfahrung verfügen. Zudem soll die Rolle der Lehrpersonen gestärkt werden. Statt als reine «Coaches» sollen sie den Unterricht wieder stärker führen, um insbesondere leistungsschwächere Schülerinnen und Schüler besser zu unterstützen. 
(Luzerner Zeitung, 28.4.2026)  
 

Universitäten und (Fach-)Hochschulen  

An der Universität Zürich wird über höhere Studiengebühren diskutiert – ausgelöst durch Sparpläne des Bundes. Zwar hat das Parlament drastische Erhöhungen abgeschwächt, doch die Debatte bleibt aktuell, auch wegen möglicher Mindereinnahmen durch neue EU-Regeln. Rektor Michael Schaepman lehnt höhere Gebühren klar ab. Das heutige Modell mit niedrigen Gebühren habe sich bewährt. Höhere Kosten würden Studierende stärker belasten, soziale Ungleichheiten verschärfen und könnten Studien verlängern, da viele nebenbei arbeiten müssen. Bereits heute sei die finanzielle Situation ein zentraler Stressfaktor. Zudem seien Studiengebühren für die Finanzierung der UZH wenig relevant (unter 2 % des Budgets). Wichtiger sei der volkswirtschaftliche Nutzen gut ausgebildeter Absolventinnen und Absolventen. Schaepman warnt auch davor, internationale Talente durch höhere Gebühren abzuschrecken, und plädiert stattdessen dafür, diese stärker im Schweizer Arbeitsmarkt zu halten. (NZZ, 18.4.2026).

Die Universität Basel schliesst das Jahr 2025 mit einem Defizit von rund 11 Mio. Franken ab. Dieses wird aus dem Eigenkapital gedeckt, das auf 54 Millionen Franken sinkt. Ursache ist eine Differenz zwischen Ausgaben (815 Mio. Franken) und Einnahmen (771 Mio. Franken). Ein grosser Teil des operativen Verlusts konnte jedoch durch zweckgebundene Mittel und ein positives Finanzergebnis ausgeglichen werden. Insgesamt bezeichnet die Universität ihre finanzielle Lage trotz des Defizits als «solide». Gleichzeitig sieht sie sich mit steigenden Anforderungen bei Cybersicherheit, unsicherer Bundesfinanzierung sowie wirtschaftlichen Faktoren wie Teuerung konfrontiert. Die Leitung setzt künftig verstärkt auf Budgetdisziplin. (Basler Zeitung, 27.4.2026) 
Mittelschulen, Volksschulen
Ein Handyverbot an Schulen löst das Problem nicht. Im Kanton Thurgau sorgt eine Motion für Diskussionen, die Eltern stärker in die Pflicht nehmen will. Gefordert wird eine obligatorische, kostenlose Schulung für Eltern von Kleinkindern bis etwa zwei Jahre vor dem Kindergarteneintritt. Hintergrund sind zunehmende Probleme im Umgang mit digitalen Medien: Viele Eltern seien unsicher, wie sie die Nutzung sinnvoll regulieren sollen. 
Die Schulungen sollen Wissen zu Medienerziehung, Entwicklung und Förderung vermitteln und könnten durch Fachstellen wie «Perspektive Thurgau» umgesetzt werden. Ziel ist es, frühzeitig Bewusstsein zu schaffen und die Chancengerechtigkeit der Kinder zu verbessern. Die Teilnahme wäre verpflichtend, da freiwillige Angebote oft nicht alle erreichen. Sanktionen sind noch offen. Die Initiantinnen betonen: Die Hauptverantwortung für Erziehung liegt bei den Eltern,  nicht bei Schule oder Staat. (Tages-Anzeiger, 18.4.2026) 
 

Arbeitsmarkt, Lehrbetriebe

Beim Besuch im Ausbildungszentrum Swiss Logistics in Rupperswil zeigte sich Bundesrat Beat Jans beeindruckt vom sogenannten «Aargauer Modell» der Arbeitsmarktintegration. Das Projekt «Amiplus», das seit 2019 über 2000 Fälle betreut, verfolgt das Ziel besserer Integration von Personen mit erschwertem Zugang zum Arbeitsmarkt, etwa Sozialhilfebeziehenden, älteren Menschen oder Geflüchteten. Als Erfolgsfaktor gilt die enge Zusammenarbeit zwischen Kanton, RAV, Sozialversicherungen und Wirtschaft. Im letzten Jahr konnten bereits zahlreiche Personen erfolgreich vermittelt werden. Besonders hervorgehoben wurde die Erwerbsquote von Geflüchteten aus der Ukraine im Aargau, die über dem nationalen Durchschnitt liegt. Gleichzeitig betonte Jans die Bedeutung von Zuwanderung für die Schweizer Wirtschaft. Angesichts des Fachkräftemangels brauche es sowohl Migration als auch eine bessere Nutzung des inländischen Arbeitskräftepotenzials. Praxisbeispiele zeigen den Nutzen: Unternehmen finden Personal gezielter, während Betroffene konkrete Chancen erhalten – auch wenn individuelle Hürden, etwa bei Betreuung oder Mobilität, weiterhin bestehen. (Aargauer Zeitung, 17.4.2026) 
 

Verschiedenes

Junge Menschen in Schule und Ausbildung sind immer stärker von psychischen Problemen betroffen und brauchen zunehmend mehr Unterstützung. Deshalb wird in verschiedenen Kantonen darüber debattiert, wie man die Jugendlichen besser unterstützen kann. Die Ursachen sind laut Lukas Bucher, Leiter der Schulpsychologie in Schwyz, nicht eindeutig geklärt. Als mögliche Gründe nennt er intensivere Mediennutzung, gesellschaftliche Verunsicherung sowie medizinische Fortschritte, durch die mehr Frühgeborene oder gesundheitlich belastete Kinder überleben, was Auswirkungen auf ihre Entwicklung haben kann. Die Pandemie wirkte zusätzlich als Verstärker. Am häufigsten geht es um Lern- und Aufmerksamkeitsprobleme, etwa in Zusammenhang mit ADHS oder Überforderung. Viele Fälle können direkt in der Schule mit heilpädagogischer Unterstützung gelöst werden. Gleichzeitig nehmen aber auch komplexere Fälle zu: Die Zahl der Kinder mit verstärkten Massnahmen bis hin zu starken psychischen Problemen steigt. Die Folge: Die Schulpsychologie arbeitet am Limit – zusätzliche Ressourcen werden notwendig. Ein Weg dafür ist die Stärkung der Schulsozialarbeit an den Schulen und für die Lernenden. Im Kanton Luzern und im Kanton Zürich sind diesbezüglich politische Vorstösse hängig. (Bote der Urschweiz, 22.4.2026, Luzerner Zeitung, 22.4.2026)

Im Bildungsbereich gibt es immer wieder Streitfälle rund um Übertritte und Leistungsbeurteilungen. Im neusten Fall hat das Bundesgericht eine Beschwerde aus dem Zürcher Unterland abgewiesen und die von der Schule vorgenommene Zuteilung in die Sek B bestätigt. Der Vater eines Jugendlichen hatte argumentiert, sein Sohn sei benachteiligt worden und seine Bildungschancen würden dadurch eingeschränkt. Zudem vermutete er eine Diskriminierung aufgrund der Herkunft. Das Gericht sah dafür jedoch keine Hinweise. Die Anhörung des Schülers sei kindgerecht erfolgt und sein Mitspracherecht ausreichend berücksichtigt worden. Auch die Gesamtbeurteilung der Schule wurde als sachlich und am Kindeswohl orientiert beurteilt. Ein Anspruch auf die Zuteilung in die Sek A besteht laut Urteil nicht. (Tages-Anzeiger, 20.4.2026)

Das Jugendbarometer 2025 zeigt: Die Generation Z in der Schweiz legt grossen Wert auf Gesundheit, Work-Life-Balance und sinnstiftende Arbeit. Gleichzeitig öffnet sich beim Thema Rollenbilder eine wachsende Kluft zwischen jungen Frauen und Männern. Zwar unterstützen 87 % grundsätzlich Gleichstellung, doch ein Viertel befürwortet weiterhin das traditionelle Modell «Mann verdient, Frau betreut». Vor allem bei jungen Männern herrscht diese Vorstellung vor. Junge Frauen hingegen treiben moderne Lebensentwürfe voran, setzen auf Karriere, Unabhängigkeit und flexible Familienmodelle. Laut der Psychosoziologin Valérie-Anne Ryser führen veränderte Bildungs- und Arbeitsrealitäten zu Verunsicherung bei Männern. Die Folge: konservativere Haltungen und ein wachsender Gender-Gap. Das erschwert Partnerwahl und Familiengründung. Gefordert sind Politik und Bildung, um Gleichstellung, Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie neue Rollenbilder zu stärken. (Tages-Anzeiger, 18.4.2026)
 

Bildungspolitische Debatten, Entscheide

Die integrative Schule – ein gescheitertes Projekt? Nein. Vielmehr sei sie ein langfristiges Projekt, das politischen Willen und konsequente Umsetzung erfordert, schreibt Eric Scherer, Präsident Inklusion Aargau und vormals Einwohnerrat SVP Lenzburg, in der NZZ. Trotz Kritik gebe es zahlreiche erfolgreiche Beispiele inklusiver Bildung in der Schweiz. Kinder mit Förderbedarf dürfen nicht zu schnell in Sonderschulen abgeschoben werden – oft gestützt auf Diagnosen wie ADHS oder Autismus. Dies sei nicht nur pädagogisch fragwürdig, sondern auch teuer: Sonderschulen verursachen deutlich höhere Kosten und führen häufiger zu langfristiger Abhängigkeit vom geschützten Arbeitsmarkt. Nicht das Konzept ist gescheitert, sondern dessen Umsetzung. Es braucht zudem auch mehr Wertschätzung gegenüber den Lehrpersonen, die das machen (NZZ, 22.4.2026).

 

Internationales 

Anlässlich ihres 250-jährigen Bestehens betonen die USA die Bedeutung von Berufsbildung als Schlüssel für wirtschaftliche Stärke und Zukunftsfähigkeit. Historisch zeigt sich, dass viele Gründerväter wie George Washington oder Benjamin Franklin ihre Laufbahn mit praktischer Ausbildung begannen – ein Modell, das bis heute prägt. Die USA wollen die Lehrlingsausbildung gezielt ausbauen und planen bis zu eine Million Auszubildende. Ziel ist es, Fachkräfte für wachstumsstarke Branchen zu sichern und die industrielle Basis zu stärken. Berufsbildung wird dabei als wirtschaftspolitisches Instrument verstanden. Die Schweiz gilt mit ihrem dualen System als Vorbild. Die enge Zusammenarbeit zwischen Staat, Wirtschaft und Bildung ermöglicht praxisnahe Ausbildung und hohe Beschäftigungsfähigkeit. Schweizer Unternehmen engagieren sich zunehmend auch in den USA und schaffen dort Ausbildungsplätze. Ein Abkommen von 2024 erleichtert zudem den Austausch von Lernenden zwischen beiden Ländern. Fazit: Investitionen in Ausbildung fördern Innovation, Wachstum und internationale Zusammenarbeit. (Tages-Anzeiger, 24.4.2026) 

Karin Andrea Stadelmann ist eine Schweizer Politikerin (Die Mitte), Luzerner Kantonsrätin und Erziehungswissenschaftlerin. Sie ist zudem seit 2024 Präsidentin der Mitte Kanton Luzern.

Diese Kurznachrichtenübersicht wurde am 3. Mai 2026 abgeschlossen. Auszüge der deutschsprachigen Version veröffentlicht in der CIVITAS 3/2025–2026.

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